200 Jahre Marx

Das Leben von Karl Marx und die Vorteile des Kapitalismus

Marx das Leben

von Marvin Millen

Heute blicken wir auf den 200. Geburtstag von Karl Marx und kritisch würdigend auf sein Leben und Wirken zurück. Wer war dieser Mann? War er Brandstifter einer klar strukturierten Gesellschaft und Wegbereiter des brutalsten sowjetischen Kommunismus? War er ein Vorbild für viele Menschen, die sich rühmten, wie Stalin, in seinem Namen Verbrechen begangen zu haben? Oder war er ein Visionär, der von einer Gesellschaft ohne Armut und Klassen träumte? Ein gebildeter Mensch, der die Ansicht vertrat, dass auch ein nicht arbeitender Mensch den Anspruch habe, in Würde leben zu können? Für Viele von uns bis heute unklare Fragen, die auch eben heute diskutiert werden. Anlässlich des heutigen Jubiläums möchten ich Ihnen daher nicht nur die Person und einige seiner politischen Ansichten, sondern auch inhaltliche Punkte zu seinen wohl wichtigsten Werken „Das Kommunistische Manifest“ und „Das Kapital“ vorstellen, bei dem wir auch auf die Bedeutung der Werke für unsere heutige Gesellschaft näher eingehen möchten. 

Karl Marx wurde am 05. Mai 1818 in Trier als Sohn eines Rechtsanwalts geboren und begann im Alter von 17 Jahren ein Studium in Geschichte und Philosophie und ein Jahr später ein Studium der Rechtswissenschaften in Berlin. Jedoch war Marx – im Unterschied zu vielen seiner damaligen Zeitgenossen – vom damaligen Berlin in keiner Weise überzeugt, da er die vorherrschende, preußische Feudalgesellschaft in jeder Hinsicht ablehnte. Er schloss sich daraufhin einer linken Studentengruppierung an und vertrat mit dieser die Ansichten, welche gegen staatliche Zensur, Repression und Unterdrückung gerichtet waren. Der Beitritt zu den damals in Berlin vertretenen Linkshegelianern ließ ihn nicht nur ins Visier der staatlichen Geheimpolizei geraten, sondern war auch gleichbedeutend mit dem Ende seiner akademischen Karriere. Danach fasste er den Entschluss, Journalist zu werden. Auch dabei musste er schwere Rückschläge hinnehmen, zu denen beispielsweise das Verbot seiner Zeitung gehörte und er darauf nach Paris auswandern musste, da von ihm publizierte Inhalte als „direkter Angriff auf die Monarchie“ gewertet wurden. Weil er in Paris wegen der preußischen Forderung seiner Auslieferung nicht lange seiner politischen Arbeit treu bleiben konnte, musste er zusammen mit seiner Frau und Friedrich Engels nach Brüssel auswandern, wo er vom „Bund der Londoner Kommunisten“ den Auftrag erhielt, ein Manifest zu verfassen. Dieses „Kommunistische Manifest“ sollte sich an die „Proletarier der Welt“ richten und sie dazu aufrufen, gemeinsam gegen die Unterdrückung zu kämpfen.

Während seiner Zeit im Londoner-Exil im Jahr 1849 entstanden aus seiner Feder weitere politische Arbeiten, die zu dieser Zeit völlig neue Ansätze hervorbrachten. Dabei entstand das Werk, welches bis heute aus verschiedensten Perspektiven diskutiert wird, „das Kapital“. Hier stellt Marx die Frage, weshalb es so wenige Fabrikbesitzer – also Kapitalisten – gibt, die zu dieser Zeit so ziemlich das gesamte Vermögen besaßen, während viele hart arbeitende Menschen von absoluter Armut betroffen waren und von sklavenähnlichen Zuständen von der Hand in den Mund „leben“ mussten. Er gelangte zu dem Schluss, dass die Produktionsmittel in einer Gesellschaft allen gehören müssen, da aus seiner Sicht nur so eine klassenlose Gesellschaft entstehen kann. Um eben diese herbeizuführen, bedarf es eines gewaltsamen Umsturzes, der Revolution. 

Was bedeuten jene Einsichten aus Marx Werken für uns in der heutigen Zeit? Karl Marx starb im Jahr 1883 in London. Doch auch nach seinem Tod sollten seine Ideen weiterleben und maßgeblich dazu beitragen, die Welt künftig zu gestalten und die Gesellschaft und die Politik richtungsweisend zu inspirieren. Dazu gehören die Ereignisse in Russland zu Zeiten der Oktoberrevolution, bei denen auch Lenin erwähnt werden muss, der zu Beginn versuchte, eine klassenlose Gesellschaft durchzusetzen. Ebenso sei hier die DDR erwähnt, welche bis heute nicht ohne die Ansichten und Werke von Marx zu verstehen ist und in der Marx neben nach ihm benannten Plätzen, Straßen, Flaggen und Denkmälern auch in der Bildung, also in der damaligen Gesamtgesellschaft eine zentrale Rolle einnahm. Es sollten aber nicht nur vergangene Staaten und Gesellschaften von Marx beeinflusst werden.

Auch heute, in Zeiten einer globalen Wirtschaftskrise, in Zeiten von weltweit steigender Armut, einer drohenden Klimakatastrophe und von immer offensiver werdenden, rassistischen und fremdenfeindlichen Rechtspopulisten, werden die Ideen von Marx international wieder aktuell und in vielerlei Hinsicht diskutiert. Auch finden die Ideen einer klassenlosen Gesellschaft wie auch von der Idee, dass in einer Gesellschaft Allen Alles gehören soll, neue Anhänger. Es ist dennoch kritisch anzumerken, dass Marx insbesondere in seinem Werk „Das Kapital“ den Kapitalismus nicht ausschließlich als etwas Schlechtes dargestellt hat, dass eben jener den Menschen dabei helfen kann, wirklich frei zu werden, also das zu tun, was immer man möchte. Marx war nämlich frustriert darüber, dass trotz der Vielfalt der von Menschen und Maschinen produzierten Güter, keine Umverteilung stattfand und dass die Menschen dadurch immer noch nicht frei von Zwängen, Armut und Stigmatisierungen waren. Die Vorteile des Kapitalismus in Hinblick auf eine gelungene Umverteilung sah Marx demnach in der hohen Produktivität des Kapitalismus, welche dazu beitragen sollte, den Menschen mehr Zeit zu verschaffen, vor allem Zeit für kritisches Hinterfragen, also andere Dinge zu tun als ausschließlich einer stressvollen und belastenden Arbeit nachzugehen. Weiterhin muss erwähnt werden, dass sowohl in der Sowjetunion als auch in der DDR jene Vorteile des Kapitalismus nicht erkannt wurden und dass es dort niemals zu einer klassenlosen Gesellschaft ohne Privateigentum gekommen ist. 

Ob Marx in der heutigen – sich rasant wandelnden – Zeit noch umgesetzt werden kann und dies mit einem kritisch, differenzierten Verständnis, bleibt abzuwarten.  Eine Sache bleibt jedoch gewiss. Die nächsten 200 Jahre bleiben spannend. 

MillenArtiel

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