Aktuell

Die große digitale Transformation

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Wie die vierte industrielle Revolution unser Leben verändert

von Jörg Heynkes

Blauer Himmel, Sonnenschein, ein Sandstrand wie aus dem Prospekt. Eine Gruppe von Menschen steht entspannt am Strand und sieht auf das Meer hinaus. Sie sehen, wie sich das Wasser kilometerweit vom Strand zurückzieht. Ein Phänomen, dass sie so noch nie gesehen haben. In der Ferne türmt sich eine Welle auf und die Gischt färbt das Wasser weiß und ja, das Wasser kommt zurück. Ein Bild, welches die meisten von uns kennen. Ein Bildmotiv, welches auf unterschiedliche Weise an einem Tag an ganz unterschiedlichen Orten im Südostpazifik aufgenommen wurde. Es war der 26. Dezember 2004 und nur wenige Minuten später waren die meisten dieser Menschen tot. Sie starben, weil sie nicht wussten, was dort passieren würde. Sie starben, weil sie in keiner Weise auf das vorbereitet waren, was plötzlich auf sie zukam. Es war ein Tsunami, für uns, die Zuschauer an den Bildschirmen in den trockenen Wohnzimmern der Republik, war es DER Tsunami. Ein Jahrhundert-Naturereignis was die allermeisten von uns bis dahin nicht kannten. Warum zeichne ich dieses Bild? Die Digitalisierung unserer Gesellschaft ist nun wahrlich kein Naturereignis, aber sie ähnelt mindestens an einem Punkt einem solchen Tsunami. Die Ursache des Ereignisses ist weit und lange entfernt. Das Resultat des Ereignisses ist schon lange unterwegs, noch bevor es sichtbar, offensichtlich und spürbar wird. Wie bei einem Tsunami rollt aktuell eine Welle mit ungeheurer Energie und unbeschreiblichem Veränderungspotential unter der Oberfläche der öffentlichen Wahrnehmung. Bei einem Tsunami trifft diese dann im besonders negativen Fall auf eine Küstenlinie und die dort befindlichen Menschen. Dort entfaltet sie dann ihr ganzes zerstörerisches Potential. Bei der Digitalisierung läuft eine ähnliche Welle derzeit weitgehend unsichtbar auf unsere Gesellschaft zu. In den nächsten Jahren wird sie mit ungeheurer technologischer Wucht und ungeahntem gesellschaftlichem Veränderungspotential auf unsere Gesellschaft treffen. In unserer Gesellschaft haben die meisten Menschen, ähnlich wie damals, keine Ahnung von dem, was auf sie zukommt. Die Digitalisierung ist zwar mittlerweile medial in aller Munde, aber das bedeutet leider nicht, das eine ernsthafte und von Wissen und Visionsfähigkeit geprägte öffentliche Auseinandersetzung über die gesellschaftlichen Auswirkungen, über Chancen und Risiken geführt wird. Ganz im Gegenteil. Das, was da gerade passiert, ist nichts anderes als die vierte industrielle Revolution.

Diese vierte industrielle Revolution, welche unsere Gesellschaft in einer Weise verändern wird, wie es noch nie geschehen ist, hat ein Zentrum, von dem alles ausgeht: Künstliche Intelligenz. Künstliche Intelligenz – kurz „KI“ genannt, ist vermutlich das perfideste und genialste was die Menschheit bisher hervorgebracht hat. Einerseits bedeutet dieser technologische Fortschritt eines der größten Heilsversprechen der Menschheitsgeschichte, weil tatsächlich Dinge möglich werden, die wir uns in unseren verrücktesten Träumen nicht vorstellen konnten, uns das Paradies auf Erden bringen könnten und andererseits ist diese Technologie, nach allem was wir heute wissen, das dritte von uns geschaffene Tool nach der Atombombe und dem Klimawandel, welches die Qualität hätte, diesen wunderbaren Planeten von seinem schlimmsten Bewohner und Zerstörer zu befreien. Von uns – dem Menschen. Um die Chancen und Risiken dieser Entwicklung zu verstehen, gilt es stets „KI plus“ zu denken. Zum Beispiel plus Humanoide Robotik. Nachdem „Pepper“ als erster humanoider Roboter Europa erreicht hat und nun zahlreiche Unternehmen die unterschiedlichsten Anwendungen und Geschäftsmodelle mit ihm entwickeln, wartet die Branche bereits sehnsüchtig auf die Nachfolgemodelle: Asimo, Atlas, Sophia usw. … unzählige Modelle mit unterschiedlichen Eigenschaften werden in wenigen Jahren Normalität in unserer Lebenswirklichkeit sein. Sie werden uns dienen, indem sie Waschen, Bügeln, den Müll heraus bringen oder das Kinderzimmer aufräumen. Bringen Sie gerne den Müll raus? Räumen Sie gerne die Spülmaschine ein? Wenn nein, warten Sie ab, demnächst bekommen Sie einen Butler, ein Hausmädchen, ein Kindermädchen welches alle wichtigen Sprachen spricht.

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Jörg Heynkes (2017)

Der vermutlich größte Transformationsprozess steht uns in der Mobilität bevor. Es ist ein dreistufiger Prozess, bei dem wir nun im ersten Schritt den ineffizienten Verbrennungsmotor gegen einen umweltfreundlichen und effizienten Elektromotor wechseln. Ein Thema, das in der Politik zuweilen erregte Debatten hervorruft, in Wirklichkeit aber längst durch die Chinesen entschieden wurde und eigentlich eine Trivialität ist. Die zweite Stufe ist viel wichtiger, wir wechseln den fehlerbehafteten Menschen als Fahrer gegen einen Algorithmus aus, der niemals müde oder unaufmerksam ist. Die entscheidende Stufe aber ist die dritte, nämlich der Wechsel des Eigentümers. Weg von uns hin zur Cloud. Die Zukunft heißt „Schwarm-Mobilität“. 4,5 – 6 Millionen autonom fahrende Fahrzeuge mit 1-12 Sitzen werden dabei ca. 45 Millionen PKW`s und den größten Teil der Nahverkehrsflotten in den Städten ersetzen. Entscheidende Unterschiede: Die stehen nie mehr rum, fahren leise, machen keinen Dreck, verursachen so gut wie keine Unfälle mehr und erzeugen völlig neue Lebensqualitäten in unseren Städten. Alles funktioniert auf Knopfdruck per App. Die Kosten für Mobilität werden um ca. 80 – 90% sinken, die Zahl der Unfalltoten und Verletzten ebenfalls. Und wir gewinnen Platz. Wir werden Raum von derzeit ca. 130 Millionen PKW Stellplätzen in Deutschland gewinnen, den wir zur kreativen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung nutzen können. Virtual und Augmented Reality werden unsere Lebensgewohnheiten so wie das Internet der Dinge dramatisch verändern. In der Medizintechnik werden wir erleben, das Krankenhauskonzerne zu „Gesundheitscoaches“ werden und wir den Ausbruch vieler Krankheiten von heute durch digitale Früherkennungssysteme verhindern können. Alles ist in Bewegung, alles verändert sich und wir werden erleben, dass wir große Umbrüche in unseren staatlichen Systemen bekommen werden. Bildungs-, Steuer-, Sozialversicherungs- und Entlohnungssysteme werden kollabieren. Denn sie sind alle nicht für das gerüstet, was jetzt kommt, so wie unsere ganze Gesellschaft. Deshalb wird das wichtigste sein, dass wir die Menschen in diesem Prozess mitnehmen, sie zu Gewinnern dieser riesigen Transformation machen.

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Der Arrenberg von oben. Ebenfalls eine Herzensangelegenheit für unseren Kolumnisten Jörg Heynkes

Die großen Themen dieser vierten industriellen Revolution, die wir nun alle gemeinsam gestalten dürfen, sind: „Ernährung – Energie – Mobilität“. Wie schaffen wir es, 7,3 Milliarden Menschen – und wir wissen, es werden jeden Tag mehr – ausreichend mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen? Wie schaffen wir es, diese Menschen mit der benötigten Energie in Form von Wärme, Kälte und elektrischer Energie zu versorgen, damit sie möglichst alle so kommod leben können wie wir hier in Europa? Wie schaffen wir es, diesen Menschen die benötigte Mobilität zum Transport von Waren und Gütern, wie auch ihrer selbst zu ermöglichen? Wie schaffen wir all das, ohne gleichzeitig diesen wunderbaren Planeten endgültig auszuplündern und gleichzeitig uns, der Gattung Mensch, die Überlebenschance zu rauben? Darum geht es in dieser „Vierten industriellen Revolution“, das ist nun unsere gemeinsame Aufgabe. Unsere letzte Chance und eine wahrlich große Herausforderung. Die Digitalisierung gibt uns alle technologischen Möglichkeiten um diese großen Probleme zu lösen und wir werden dieses schaffen, denn es gibt keine Alternative.

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