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Unwetter in Wuppertal! Ein Schadensbericht

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Von Janet Kinnert


Wenn ich mich auch nur für eine Sache entscheiden müsste, die ich an Wuppertal liebe, dann ist es die Eigenschaft, sich selbst aufzubauen. Die Stadt ist im Vergleich anderer Großstädte aktuell vielleicht nicht mit dem größten Prestige oder hohen finanziellen Mitteln ausgestattet, doch hat Wuppertal etwas vielleicht viel Wichtigeres.

Wuppertal im offensichtlichen Ausnahmezustand: Die komplette Stadt unter Wasser

Regen und Gewitter waren bereits seit einigen Tagen als Antwort auf die Hitze angekündigt. Doch mit der Art von Regen und Unwetter, die gestern über unsere Stadt herfiel, damit hatte kaum einer gerechnet. Nach den gestrigen massiven Regenfällen herrschte in Wuppertal „offensichtlich der Ausnahmezustand“, teilte die Feuerwehr am späten Abend mit. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 500 Einsatzmeldungen der Feuerwehr noch unbearbeitet und wurden in der Nacht nach und nach abgearbeitet. Um 21 Uhr ging ein Hilfeersuchen der Feuerwehr Wuppertal bei der Feuerwehr Essen ein, die mit mehr als 100 weiteren Einsatzkräften und 22 Fahrzeugen nachrückte, um vereint große Schäden zu beseitigen.

„In Wuppertal steht die komplette Stadt unter Wasser“, verkündete am Nachmittag ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Essen. Ganze Straßen waren gänzlich überflutet und legten in Teilen den Nahverkehr lahm, Ladenlokale und Keller waren mit Wasser gefüllt. Für gewöhnlich liegen die Erwartungen zu Regenschauern im gesamten Monat Mai in Deutschland bei 72 Litern pro Quadratmeter, in Wuppertal fielen gestern allein schon 40 Liter Starkregen pro Quadratmeter innerhalb kürzester Zeit, sowie dicke Hagelkörner. Die Reparatur- und Aufräumarbeiten könnten mindestens mehrere Tage dauern, so eine Sprecherin der Stadt Wuppertal, denn „die Infrastrukturschäden werden ganz erheblich sein.“

Wuppertal Elberfeld: Erhebliche Schäden an der Universität, Wasserschaden in Einkaufszentrum, Einsturzgefahr der Tankstelle

In den City-Arkaden drang nach den Regenfällen Wasser ein, so sei am Nachmittag das Tiefgeschoss des Einkaufzentrums unter Wasser gelaufen, so ein Polizeisprecher. Videoaufnahmen verbreiteten sich im Netz und waren zügig bei der Tagesschau und im WDR zu sehen.

Auch an der Bergischen Universität machte sich das Unwetter zu schaffen. Der heftige Regenfall führte zu einem großen Gebäudeschaden am Campus Haspel, einem der drei größeren Campusse. Nach eigenen Angaben der Universität waren 30 bis 50 Quadratmeter des Daches eines Gebäudeteils eingestürzt. Verletzte soll es keine gegeben haben, die Feuerwehr rückte zeitnah vor Ort an. Der Keller und Teile des Erdgeschosses einiger anderer Gebäude standen unter Wasser. „Nach ersten Einschätzungen ist das Ausmaß des Schadens erheblich. In den Kellerräumen waren beispielsweise Werkstätten der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen untergebracht, in einem unmittelbar angrenzenden Trakt der sportmedizinische Bereich“, so Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch. „Doch ungleich wichtiger ist, dass nach derzeitigem Erkenntnisstand kein Mensch zu Schaden gekommen ist.“

Das Freibad Eckbusch verkündete über Facebook schlechte Nachrichten. Die Anlagen mit den Frischwasserpumpen des Freibades wurden überschwemmt und abgeschaltet. Wie die Schäden genau ausgefallen sind, sei noch unklar, das Freibad müsse bis auf Weiteres jedoch geschlossen bleiben.

„Wir sind in dieser Saison leider vom Pech verfolgt.“

Viel Aufmerksamkeit bekam zudem die Aral Tankstelle an der Friedrich-Engels-Allee. Aus bisher noch ungeklärter Ursache stürzte gestern gegen 15:55 Uhr das Dach der Tankstelle ein, während 14 Fahrzeuge unter ihm parkten und beschädigt wurden. Das Dach kippte zur Seite und krachte auf den Asphalt, während sich ein Fahrzeugführer aus seinem Auto retten konnte und sich leicht verletzte. Der Ort wurde abgesperrt.

NRW: Aachen betroffen, Gedenktag in Solingen abgebrochen, Nahverkehr lahm gelegt

Zahlreiche Straßen wurden überflutet und waren teils unbefahrbar. Nachdem Gleise überspült wurden, stellte die Deutsche Bahn im Raum Wuppertal den Zugverkehr ein. Auch die Schwebebahn fuhr während des Unwetters nicht mehr. Durch die Wassermassen ausgelöst, stießen mehrere Autos gegen hochgedrückte Gullydeckel. In einem Fall verletzte sich ein Fahrer im Gesicht durch seinen Airbag, so die Polizeisprecherin. Aktuell sind die meisten Straßen wieder befahrbar. Es gibt aber einige Umleitungen, aufgrund von Fahrbahnzerstörungen.

Im benachbarten Solingen wurde aufgrund eines Wolkenbruchs über der Örtlichkeit der Veranstaltung der Gedenkakt zum Brandanschlag vor 25 Jahren abgebrochen. Hunderte Teilnehmer suchten zunächst Schutz unter anliegenden Bäumen, wurden danach aber aus Sicherheitsgründen zum Verlassen des Ortes aufgefordert.

Auch in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens führte das Unwetter zu hunderten Einsätzen der Feuerwehr. Es wurden überschwemmte Straßen und Keller gemeldet und vom Hochwasser einiger Bäche berichtet. In Nettersheim in der Eifel wurde die Autobahn 1 überschwemmt und einige Flüge am Flughafen Düsseldorf fielen aus. Ähnlich bwie Wuppertal soll es auch der Stadt Aachen ergangen sein. Die Feuerwehr registrierte am späten Nachmittag 450 Notrufe.

Was Wuppertal kann

Ausnahmezustand. Die Straßen voller Wasser, den Kopf voller Unglauben und eine Stadt, die es nicht gewohnt ist, aufzufallen und Aufmerksam zu bekommen, so mein Eindruck. Die Sachschäden sind massiv, doch Verletzte scheint es kaum zu geben. Was das zur Folge hatte, war einerseits Unglauben, ein Schock im Nacken, aber auch: Hilfsbereitschaft. Die Stadt, die aus Bürgerinitiativen und Projektarbeiten ganze Sehenswürdigkeiten schafft und die Lebensqualität der kleinen Großstadt im Bergischen Land verbessert, packt an.

Das Rex Filmtheater am Kippdorf berichtet heute Morgen, dass sich „im Keller unbeabsichtigt und unbestellt Wasservorräte angesammelt“ haben, aber nun geschafft wurde, es „dem natürlichen Kreislauf zurückzuführen.“ Die Aufräumarbeiten dauern an, eine Öffnung ist am Donnerstag zu erwarten. „Wir danken den vielen Anrufern und Facebookfreunden für die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft. Wir sind wie immer, von unseren Besuchern und Filmfreunden beeindruckt.“ Hilfsbereitschaft zeigte auch die Viertelbar im Luisenviertel über Facebook: „Liebe Nachbarn, falls ihr weniger Glück hattet als wir und trockenen Stauraum braucht, wir haben Platz im Keller!“

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