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Sinnfreie Bahnpläne für das Bergische Land

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Von Philipp Thimm


Wuppertal ist, gemessen an der Fläche, die grünste Großstadt und bildet das Zentrum des Bergischen Landes. Mit knapp 390.000 Einwohnern ist es auch beileibe kein Dorf. Umso erstaunlicher erscheinen dadurch die Pläne der deutschen Bahn.

Die Deutsche Bahn plant für 2025, mehr Kunden für den Fernverkehr zu gewinnen. Ein Teil des Plans ist ein geplanter Fernstreckensprinter, der insgesamt vier Stunden von Köln nach Berlin brauchen soll. Ein Zwischenstopp ist lediglich in Hannover geplant. Wuppertal, Solingen und Hagen könnten unter Umständen nicht mehr angefahren werden. So zumindest Vertreter der Deutschen Bahn vor dem Verkehrsausschuss im Landtag.

Die Gleiskapazitäten, und das weiß jeder Pendler, sind beschränkt. Zwischen Köln und Wuppertal verlaufen beispielsweise lediglich zwei Gleise, welche inklusive ICEs, von insgesamt vier Zuglinien in der Stunde befahren werden. Wenn es sich dort staut, und das passiert oft, wird der Alptraum eines jeden Pendlers wahr. Um dem ICE-Sprinter nun den nötigen Raum zu schaffen, will, oder besser muss, die Bahn Kapazitäten schaffen. Leiden müsste darunter unter anderem das Bergische Land.

Wuppertal liegt im Herzen von Nordrhein-Westfalen. Unsere Stadt verbindet Ruhrgebiet und Rheinland und ist damit ein Knotenpunkt im bevölkerungsreichsten Bundesland. Im Bergischen Städtedreieck, das insgesamt knapp 620.000 Einwohner beherbergt, ist Wuppertal die größte Stadt. Die stündliche ICE Verbindung nach Berlin und nach Köln, die momentan vorherrscht, ist freilich auch für die regionale Wirtschaft ein attraktiver Faktor und eine wunderbare Alternative zum Flugzeug, wie es die IHK auch schon entsprechend betonte.

Es muss Anspruch der Bahn sein, eine solche Region und ihre größte Stadt entsprechend mit der Bundeshauptstadt zu vernetzen, immerhin reden wir hier von einer bevölkerungsreichen Gegend. Eine Alternative wäre beispielsweise der Bau weiterer Gleise zwischen Köln und Wuppertal. Das würde gleichermaßen Kapazitäten schaffen und auch den Nah- und Regionalverkehr in der Region entlasten. So aber würde ein ICE Sprinter nur die lokalen Gleise belasten und dadurch den Nahverkehr, der ohnehin schon geschwächt ist, weiter lähmen. Auch der Fernverkehr würde womöglich weitere Einbußen hinnehmen müssen, um dem ICE-Sprinter den nötigen Platz zu verschaffen. Dadurch könnte sich der Standort Wuppertal langfristig zu einem Regionalbahnhof entwickeln, wodurch auch das Bergische Land degradiert werden würde.

Der Verlust der stündlichen ICE-Verbindungen in die Bundeshauptstadt und nach Köln wäre folgenschwer für Wuppertal und das Bergische Städtedreieck. Es wäre ein fatales Zeichen der Deutschen Bahn, eine solch bevölkerungsstarke Region vom stündlichen Fernverkehr nach Berlin abzuschneiden. Es kann auch nicht der Anspruch der Deutschen Bahn sein, solch ein Zeichen zu setzen. Deswegen kann man nur hoffen, dass es die Vertreter der Deutschen Bahn ernst meinten, als sie vor dem Verkehrsausschuss des Landtages versprachen, einen Zwischenstopp in Wuppertal nochmal zu überdenken.

Quellen: IHK Wuppertal, dpa

 

THIMMI

Philipp Thimm ist Redakteur von Sparrow – Das Politjournal

 

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