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Sie können es nicht

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Von Bernhard Sander


Zur Kulturpolitik in Wuppertal – Bernhard Sander

Der Abbruch des Neubeginns am Pina-Bausch-Tanztheater, einer der wenigen international anerkannten Institutionen unserer Stadt, durch die fristlose Kündigung der Intendantin setzt die Serie der verhängnisvollen kulturpolitischen Entscheidungen fort. Zwar kann man für vieles dem alten Oberbürgermeister die Schuld in die Schuhe schieben, aber das Personalkarussell, von dem die Leitungen der Wuppertaler Kulturinstitutionen in den letzten Jahren geflogen sind, wurde immer auch von Kämmerer Dr. Johannes Slawig angetrieben, Vorgesetzter des Personalamtes und Aufsicht der kommunalen Betriebe.
2010 wurden die Verträge der damaligen Intendanten von Oper und Schauspiel wegen Unbotmäßigkeit nicht verlängert, weil sie den Zuschusskürzungen widersprachen. Der Kulturdezernent und die Große Koalition von CDU und SPD machten sich zu Ausführungsgehilfen der handstreichartigen Inthronisation des Orchesterchefs als Opern-Intendant durch den damaligen Oberbürgermeister. Arbeitsverträge und Auswahlprozesse werden vom Personalamt gesteuert, dass Slawig untersteht.
Die Dezernenten Slawig und Nocke förderten dann die Kündigung der neuen Schauspielintendantin, die offenbar mit dem Stadthalter der Kulturbehörde in Konflikt geriet. Auf dem Höhepunkt dieses Konfliktes wurde die Aufsichtsratsvorsitzende Schulz (SPD) der Bühnen-GmbH durch den Oberbürgermeister Mucke (SPD) ersetzt.
Der Leiter des historischen Zentrums verlässt seinen Posten vor Vertragsende, nachdem der Kulturdezernent die Instandsetzung des Engelshauses versäumt hatte, die Konzeption eines Museumsanbaus verwässert und die Planungen des Engels-Jubiläums trotz guter Ideen im eigenen Hause aus der Hand gegeben hat.
Den Konflikt in der Träger-Gesellschaft des Von-der Heydt-Museums zwischen den Stiftungen und den anderen Beteiligten um die Finanzierung einer Ausstellung zur bürgerlichen Revolution von 1848 hat der Kulturdezernent nicht moderieren können. Die Ausstellung wird – angeblich aus Geldmangel – abgesagt. Der städtische Kulturetat, dessen Hüter Dr. Slawig als Kämmerer ist, bleibt dafür geschlossen.
Mit der Verpflichtung einer neuen Leiterin des Kulturbüros haben Dezernent Nocke und Kämmerer Slawig (beide CDU) der CDU-geführten Landesregierung einen Gefallen getan und die seit einem Jahrzehnt in Rechtsstreitigkeiten mit der Beuys-Erbin verstrickte Leiterin von Schloss Moyland (Stiftung des Landes NRW) aus dem Konflikt rochiert. Schon 2009 hatten Künstler in einem offenen Brief der Leiterin Frau Paust „offenbare Unfähigkeit, beschämende Gleichgültigkeit und Provinzialismus“ vorgeworfen (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/urteil-mit-folgen-beuys-witwe-darf-performance-fotos-zensieren-a-720277.html). Herr Nocke ist der Schwager des Innenministers (CDU).
Auch die Angelegenheit Tanztheater ist letztlich eine Affäre Nocke/Slawig. Sie haben es organisiert bzw. geduldet, dass der Geschäftsführer der künstlerischen Leitung vorgesetzt ist. Herr Nocke hat den Geschäftsführer, obwohl er Konfliktpartei ist, angeblich zur Beruhigung des Ensembles mit nach Paris genommen. Die Intendantin wird fristlos gekündigt, während der Geschäftsführer auf eigenen Wunsch ausscheidet – auch diese Ungleichbehandlung, die das Risiko eines Kündigungsschutzverfahrens beinhaltet, wird nicht ohne Wissen und Billigung des Stadtdirektors Slawig zustande gekommen sein.
In dieser Schneise der Verwüstung ist ein Muster zu erkennen. Die Verselbständigung der bürokratischen Eigeninteressen wurde möglich durch das völlige Desinteresse der SPD-Stadtratsfraktion für die Belange der Kunst. So musste Oberbürgermeister Mucke erst von einem anderen Termin weggeholt werden, um ihn in die Verantwortung für die fristlose Entlassung der Tanztheater-Intendantin einzubinden.
Und diese Schleudersitze wurden von einem Verwaltungsvorstand betätigt, dem die Selbständigkeit seiner Kulturexperten als Unbotmäßigkeit erscheint. Herr Nocke wurde am 18.12. 2017 mit einem beschämenden Stimmergebnis von der Großen Koalition im Stadtrat als Kulturdezernent bestätigt. Herr Slawig gab ihm bisher Rückendeckung.

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