Wuppertal

Absage eines Tanzprojektes wegen Nazi-Demo: Ein Trauerspiel!

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Von Marc Schulz


Eine große Abschlusskundgebung des Tanzprojektes „Tanz, tanz…“ auf dem Geschwister-Scholl-Platz mit 350 Kindern und Jugendlichen aus aller Welt muss abgesagt werden, weil die Polizei die Streckenführung einer Nazi-Demo genau an dem Platz vorbei genehmigt hat. Ein echtes Trauerspiel!

„Mit dem Jugendtanzprojekt beschreitet das Tanztheater neue Wege. Das Projekt hat den Anspruch, Tanz, Musik und Kunst generell für Kids und Teens, unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft aus der ganzen Stadt erlebbar zu machen, sie für verschiedene künstlerische Ausdrucks­, Bewegungs­ und Kunstformen zu sensibilisieren, ihnen kreative Räumen zu eröffnen und sie teilhaben zu lassen“. So beschreibt das Tanztheater Pina Bausch selbst das Tanzprojekt „tanz, tanz…“, welches am Samstag, den 16.06. vor dem Haus der Jugend in Barmen seinen Abschluss finden sollte. „Kulturelle, kommunikative und soziale Entfaltung, Zusammenkunft und Auseinandersetzung“ sollten die Ziele dieses Projektes sein. Da verwundert es nicht, dass die Veranstalter einen gewissen Konflikt darin sahen, unfreiwillig in unmittelbare räumliche Nähe zu einem Aufmarsch der als fremdenfeindlich eingestuften rechtsextremen Partei „Die Rechte“ gezwungen zu werden. Die Wuppertaler Polizei genehmigte nämlich für die Demo eine Strecke entlang der B7, die genau an dem vom Tanztheater beantragten und von der Stadt genehmigten Veranstaltungsort vorbeiführt. Folgerichtig wurde das Fest abgesagt. Eine direkte Konfrontation seiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Aufzug einer offen rassistischen Gruppierung ist um jeden Preis auszuschließen.
Die Entscheidung des Tanztheaters kann ich gut verstehen. Vollkommen unverständlich ist aber, dass diese ja bereits im Vorfeld erwartbare Reaktion nicht von der Polizei zum Anlass genommen wurde, die Strecke für die Demonstration so anzupassen, dass nicht 350 friedliche Jugendliche und Kinder einem Aufmarsch von Rechtsradikalen weichen müssen. Auch wenn die Polizei heute erklärt, eine Absage sei nicht nötig gewesen, da sie sich um entsprechende Schutzmaßnahmen gekümmert hätte, wäre eine solche Konfrontation nicht zuletzt für die Kinder und Jugendlichen schwer erträglich gewesen. So bleibt der Eindruck, dass ein friedliches Fest einer Nazi-Demo weichen muss und die Polizei die Brisanz dieses Vorgangs nicht im Vorfeld erkannt hat. Wenn der Polizeipräsident erklärt, er habe erst vor Kurzem von der von der Stadt genehmigten Veranstaltung auf dem Geschwister-Scholl-Platz erfahren, muss man aber auch die Frage stellen, wie es eigentlich um die Kommunikation zwischen der Polizei und der Stadtverwaltung bestellt ist.
Natürlich ist der Schutz der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit ein hohes Gut. Trotzdem muss man feststellen, dass Wuppertal seit einiger Zeit ein beliebter Kundgebungs-Standort für Neonazis geworden ist, da hier mit wenig personellem Aufwand stundenlang eine ganze oder weite Teile der Stadt lahm gelegt werden kann. Und auch die aktuelle Diskussion aufgrund der unsensiblen Streckenführung hat erneut große Aufmerksamkeit bewirkt.
Vollkommen absurd wird es dann, wenn Schreiben der Polizei in der Öffentlichkeit kursieren, in denen nicht etwa die vom Verfassungsschutz als offen fremdenfeindlich bezeichnete Partei, sondern die Gegendemonstranten bis weit in die bürgerliche Mitte als potenzielle Gefahr für die Veranstaltung bezeichnet werden. Eine derartige Unsensibilität gegenüber der Zivilgesellschaft ist uns schon lange nicht mehr begegnet.
Wuppertal ist eine tolerante und weltoffene Stadt. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass man diese Weltoffenheit gegenüber Extremisten und Rassisten verteidigen muss. Dazu tragen alle bei: die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, die Politik, die Vereine, Organisationen und die Polizei.
Die Gegendemonstration startet am 16.06.2018, um 12.30 auf der B7/ Ecke Berliner Platz!

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