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Der Klügere gibt nach – warum Europa jetzt keine Vergeltung gegen die USA üben sollte

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Von Jakob Steffen


Nun sind sie also doch in Kraft getreten: Die von Donald Trump seit Monaten angedrohten und temporär ausgesetzten ‚Straf‘-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU, die nebenbei auch Kanada und Mexiko treffen. Wer die bisherige Verhandlungstaktik des US-Präsidenten genauer beobachtet hat, beispielsweise sein Umgang mit China oder Nordkorea, wird nicht wirklich überrascht gewesen sein. Der ehemalige Business-Tycoon und TV-Show-Star von „The Apprentice“ begegnet seinen internationalen Verhandlungspartnern just genauso: Kaltschnäuzig und egomanisch. Doch darauf nun mit Vergeltungszöllen zu reagieren, wäre eine menschlich zwar verständliche, volkswirtschaftlich jedoch äußerst dumme Vorgehensweise.

Handelskriege sind ein geradezu klassisches Beispiel für das sogenannte Gefangenendilemma aus der Spieltheorie, bei der sich zwei ‚Spieler‘ (das können Tarifparteien, Firmenbosse oder eben Regierungschefs sein) im für beide Seiten schlechtesten Szenario verheddern, weil jeder fürchten muss, dass der/die andere ausschließlich an seinen individuellen Vorteil denkt, ohne die Situation insgesamt zu bedenken. Ein solches Dilemma ist nur zu überwinden, wenn entweder eine dritte Partei vermittelt oder für Ausgleichszahlungen etc. Sorge trägt, oder aber – wesentlich schneller wirksam und im Rahmen internationaler Handelspolitik sogar der einzige Weg – eine Seite Einsicht in dieses Dilemma hat und von ihrer Position abrückt, um gemeinsam eine bessere Lösung zu erreichen.

Prägnanter formuliert: Solange beide Seiten an Strafzöllen im Sinne eines Auge um Auge, Zahn um Zahn festhalten, werden auch beide Schaden erleiden; dabei könnte man sich zum beiderseitigen Vorteil darauf verständigen, was mit den Zöllen eigentlich bezweckt werden soll und eine günstigere Lösung finden, wenn nur einer der beiden Akteure den ersten Schritt macht. Deshalb sollte die EU nicht, wie sie es bereits unmittelbar angedroht hat, Vergeltung gegen die USA üben, sondern einen entwaffnenden Schritt auf die Regierung Trump zu machen. Das Düsseldorfer Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) etwa hat bereits den Vorschlag gemacht, dass die EU von sich aus Exportbeschränkungen für Stahl und Aluminium anbieten sollte, die für die betroffenen europäischen Produzenten zu weit weniger Einbußen führten, als ein eskalierender Handelsstreit.

Der Volksmund hat das schon lange erkannt: „Der Klügere gibt nach“ weiß er zu sagen, und hat damit noch stets Recht behalten. Allerdings stellt sich im Zusammenhang mit der – vorsichtig formuliert – etwas exzentrischen Persönlichkeit Donald Trumps eine entscheidende Frage, nämlich die nach seiner eigentlichen Motivation dafür, mit dem Rest der Welt einen Handelskrieg zu riskieren. Ist dies nur ein weiteres Beispiel für seinen ‚forcierten Verhandlungsstil‘, bei dem Armdrücken zu den gewohnten Umgangsformen zählt, oder will er schlicht 1:1 umsetzen, was er im Wahlkampf versprochen hat – nämlich amerikanische Schwerindustrie-Jobs vor angeblich unlauterem ausländischen Wettbewerb zu schützen?

Ist die treibende Kraft sein Verhandlungsstil, dann funktioniert der strategische Rückzug der EU zwecks Erreichung eines gemeinsamen Ziels. Steckt dahinter jedoch sein Wahlkampfversprechen, dann wird die Zurückhaltung Europas zugegebenermaßen wenig bringen; denn kein noch so konstruktives Angebot der EU wird dann den eigentlichen Profit Trumps aus Strafzöllen, nämlich zusätzliche Stimmen bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress in diesem November, aufwiegen können.

Zur Klärung dieser Frage gibt es allerdings einen vielversprechenden Fingerzeig: Sowohl Donald Trump als auch sein Handelsminister betonen nach wie vor ihre Verhandlungsbereitschaft, wie sie das jüngst im steten Auf und Ab in den Verhandlungen mit China ebenfalls getan haben. Es geht ihnen also höchstwahrscheinlich wirklich mehr um einen Deal, aus dem sie sowohl politisches als auch ökonomisches Kapital schlagen können. Und genau diese Absicht sollte Europa nutzen.