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Geldillusion ?! Eine Eröffnung

Geldillusion?! Was soll das denn heißen? Will uns da jetzt wieder irgend so ein Weltverbesserer erklären, dass Geld überbewertet werde und jedenfalls nicht entscheidend sei für die individuelle Zufriedenheit?

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Von Jakob Steffen

Autor

Geldillusion?! Was soll das denn heißen? Will uns da jetzt wieder irgend so ein Weltverbesserer erklären, dass Geld überbewertet werde und jedenfalls nicht entscheidend sei für die individuelle Zufriedenheit?

Nein, das ist ganz und gar nicht die Intention dieser von nun an regelmäßig erscheinenden Glosse, die im Gegenteil eine ziemlich volkswirtschaftliche Perspektive einnehmen wird. Und bevor Sie jetzt abgeschreckt weiterklicken, schauen Sie mal auf das folgende Zitat: 

„Die Gelddruckerei der Europäischen Zentralbank nimmt kein Ende. Früher oder später muss sich das in einer gigantischen Inflation entladen!“ 

So oder so ähnlich schallt es aus so ziemlich allen deutschen Medien, und das schon viele Jahre. Inflation, das ist seit dem katastrophalen Geldwertverfall der späten Weimarer Republik der kollektive Albtraum der Deutschen über Generationen hinweg; und jede Anspielung darauf kann sich ihrer Aufmerksamkeit sicher sein. 

„TTIP ist nichts als ein amerikanisches Manipulationsinstrument, das Arbeitsplätze gefährdet, Europa mit Chlorhühnchen flutet und obendrein zu Lasten der Armen geht,“ ist ein anderer Tenor, der, wenn auch mittlerweile verblasst, ähnlich lange Zeit vor allem die sozialen Medien beherrschte. 

Doch was ist eigentlich Inflation und wie kommt sie zustande (tatsächlich gibt es da eine ganze Reihe von Erklärungsansätzen, und eben nicht nur die eine, landläufige)? Und könnte es nicht sein, dass TTIP vielleicht wirklich total schlecht, die dahinter stehende Idee des Freihandels aber eigentlich ziemlich gut ist? 

Beiden Thesen ist eines gemeinsam: Ganz besonders im Zeitalter von Facebook & Co. ist eine Aussage umso wirksamer, je mehr sie im buchstäblichen Sinne geteilt wird. Was dabei meistens auf der Strecke bleibt, ist eine Überprüfung auf die dahinter stehenden Annahmen und – besonders heikel – andere wissenschaftliche Interpretationen ein- und derselben Fakten. Der Gipfel wird unter der Überschrift Fake News erreicht, wenn diese begründbaren Interpretationen durch bewusste Manipulation ersetzt und dann auch noch als „alternative Wahrheiten“ ausgegeben werden. 

Die Volkswirtschaftslehre, aber auch allgemein die Berufsgruppe der Ökonom*innen ist – nicht vollends zu Unrecht – besonders von der hier skizzierten Situation getroffen. „Experte“ ist heutzutage generell zum Schimpfwort verkommen, zum unterstellten Deckmäntelchen einfach nur unnötig verkomplizierter Meinungen; das gilt besonders für die Disziplin der Wirtschaftswissenschaften. Und überhaupt, Volkswirte: Die haben die Finanzkrise doch erst kommen sehen, als sie ihnen bereits auf den Füßen lag! Was soll diese ‚Wissenschaft‘ schon groß beizusteuern haben?! 

Ein nicht geringer Teil dieser öffentlichen Verachtung für alles Akademische im Allgemeinen und die Volkswirtschaftslehre im Besonderen liegt vor allem darin begründet, dass sich ihre Vertreter tatsächlich allzu oft vor die wechselnden Karren politischer Kutscher spannen lassen. Aber auch die öfters wirklich unnötig verquaste Art der Kommunikation und die daraus resultierende Unfähigkeit, die Erkenntnisse der eigenen Disziplin einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen, haben dazu beigetragen. 

Diese Kolumne will es anders machen. Ihr erklärtes Ziel ist es, in aller Bescheidenheit und größtmöglichen Einfachheit Erkenntnisse von zweihundert Jahren Volkswirtschaftslehre auf konkrete Beispiele der tagesaktuellen Diskussion anzuwenden und dabei auch Alternativen zur aktuell vorherrschenden Denkrichtung aufzuzeigen, die oftmals fälschlicherweise mit der Volkswirtschaftslehre als solches gleichgesetzt wird – dabei schimpften sich auch so grundverschiedene Charaktere wie ein Karl Marx „politische Ökonomen“. 

Der Knackpunkt ist: Gesellschaftswissenschaften wie die Volkswirtschaftslehre leben notwendigerweise von unterschiedlichen Sichtweisen auf dieselben Fakten, nur mit Meinungen hat das dann eher wenig bis gar nichts zu tun (in der Wissenschaftssprache ist von „Theorien“ oder gar „Paradigmen“ die Rede). Und gerade aus der Diskussion dieser unterschiedlichen Sichtweisen ergibt sich dann die Erkenntnis. Die Betonung liegt hier auf „Diskussion“. Man muss die jeweils vertretene Sichtweise auch klar benennen (können), und darf sie keinesfalls als alternativlosen Konsens erscheinen lassen, wie das leider viel zu lange geschehen ist. Das Für und Wider verschiedener Argumente ist eben kein Zeichen von Planlosigkeit oder arroganten Expertentums: Experte ist schlicht jeder, der diese verschiedenen Argumente kennt und bewerten kann – aber eben nicht niemand mehr. 

Diese Kolumne wird daher nie auch nur im Ansatz versuchen, mit ihrer eigenen Meinung hinter dem Berg zu halten, sondern sie stets kenntlich machen und natürlich auch alternative Interpretationen zu Wort kommen lassen – und das alles in so einfacher Sprache wie nur irgend möglich. Sollte das im Einzelfall nicht gelingen, sind Sie herzlich eingeladen, mir auf die Füße zu treten und mitzudiskutieren. Aber bitte mit demselben Anstand und wechselseitigem Respekt, wie das vor den aufgeregten Hetzkampagnen eines Donald Trumps und anderer Marktschreier eigentlich als selbstverständlich galt. Vielleicht schaffen wir es mit dieser Kolumne ja sogar, auch dazu einen kleinen, bescheidenen Beitrag zu leisten. Und im Laufe dieses Projekts werden Sie dann auch kennenlernen, worauf „Geldillusion“ eigentlich anspielt. Warten Sie’s ab.

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